Besuch in Rheinsberg

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Zu Besuch in der Lernstätte eines preußischen Prinzen:
Schloss Rheinsberg im Brandenburger Havelland.

Schloss Rheinsberg im Brandenburger Havelland

Hier verbrachte der junge Prinz Friedrich seine Jugendzeit bis 1740 bevor er mit Antritt seiner Regentschaft zu Friedrich II. gekrönt wurde und sich als großer König in der Geschichte verewigte. In späteren Briefen schildert er die Zeit in Rheinsberg als die glücklichste seines Lebens und besonders während der Schlesischen Kriege befällt ihn eine große Sehnsucht, in der Ruhe und Abgeschiedenheit von Rheinsberg im Park zu spazieren und sich der Philosophie zu widmen.

Zeitgenossen, die von der unbeschwerten Zeit des jungen Prinzen nach dessen Läuterung durch die strengen Maßnahmen seines Vaters in Küstrin und Neu-Ruppin, berichten, zeichnen das Bild eines jungen Mannes, der gleich nach dem Aufstehen sein Fenster öffnete und mit seinem vom Vater so verhaßten Flötenspiel den Tag begrüßte bevor er zum Frühstück ging.

Das Schloss erfuhr unter dem Regiment des Prinzen diverse Um- und Ausbauten und auch dem Park widmete er einige Aufmerksamkeit, um sich sein Traumschloss zu realisieren. Zwar reicht das Schloss Rheinsberg bei weitem nicht an Friedrichs spätere Residenz Sans Souci in Potsdam heran, er selbst schildert Rheinsberg aber als seine Inspiration für Sans Souci.

Doch der Aufenthalt ins Rheinsberg diente nicht allein dem Vergnügen des jungen Prinzen. Als Thronfolger war er sich – auch durch die strengen Maßnahmen des Vaters – seiner kommenden Verantwortung bewußt und so verbrachte Friedrich sehr viel Zeit mit Lesen und Schreiben. Das Arbeitszimmer des jungen Prinzen befindet sich auf dem Foto im linken Turm, hier verbachte er unzählige Stunden mit dem Studium verschiedenster Wissensgebiete.

Theodor Fontane hat Schloß Rheinsberg zweimal besucht und schreibt darüber in seinem Buch „Wanderungen durch die Mark Brandenburg – Band 1 – Grafschaft Ruppin“. Seine Schilderung des Arbeitszimmers sei hier wiedergegeben:

Statue des Prinzen Friedrich in RheinsbergDies Arbeitszimmer liegt im rechten Flügel des Schlosses und zwar in dem kleinen Rundturm, der den Flügel nach vorne hin abschließt. Wir passieren abermals eine lange Zimmerreihe, bis wir endlich in ein kleines und halbdunkles Vorgemach treten, das sein Licht nur durch eine Glastür empfängt. Dies halbdunkle Vorgemach enthielt die kleine Bibliothek, die Friedrich der Große bald nach seiner Thronbesteigung nach Potsdam schaffen ließ; das davor liegende Zimmer aber, von dem uns nur noch die Glastür trennt, ist das Arbeitszimmer selbst. Nur sehr klein (höchstens 12 Fuß im Quadrat) hat es nach drei Seiten hin eine entzückende Aussicht über Wald und See.

Vor 140 Jahren muß es auch in seiner Ausstattung einen durchaus heiteren und angenehmen Eindruck gemacht haben. Es ist ein Achteck, das mit drei Seiten in der Mauer liegt, während fünf Seiten frei und lösgelöst nach vorne liegen. Das Ganze setzt sich abwechselnd aus Wand- und Glasflächen zusammen: vier Pannel-Wände, drei Nischenfenster und eine Glastür. Die Fensternischen sind sehr tief und boten deshalb Raum zur Aufstellung von Polsterbänken, die sich an beiden Seiten entlang ziehen. An den Pannelwänden stehen altmodische Lehnstühle mit versilberten Beinen und schlechten, dunklen Kattunüberzügen.

Über den Lehnstühlen aber, in ziemlicher Höhe, sind Konsolen mit den Büsten Ciceros’s, Voltaire’s, Diderot’s und Rousseau’s angebracht. In die Holzbekleidung ist vielfach Spiegelglas eingelassen, während sich zu Häupten der Eingangstür allerlei Zeichen des Freimaurer-Ordens befinden und abermals Pesue’sches Deckengemälde den Plafond bedeckt. Dasselbe zeigt die Ruhe beim Studieren; ein Genius überreicht der sitzenden Minerva ein Buch, auf dessen Blättern man die Namen Horaz und Voltaire liest. Das Bild hat verhältnismäßig gelitten, und kann überhaupt mit der glänzenden Schöpfung desselben Meisters im Konzertsaale nicht verglichen werden.

In der Mitte des Zimmers steht auf vergoldeten Rococco-Füßen und etwa von der Größe moderner Damen-Schreibtische der Arbeitstisch des Prinzen. Seine Schreibplatte liegt schräg und kann aufgeklappt werden. Sie war ehedem mit rotem Sammt überzogen, hat aber nicht nur die Farbe, sondern auch den ganzen Sammtstoff längst verloren. Der Sammt wird bekanntlich auf eine Unterschicht von festem Zeug aufgetragen.

Diese Unterschicht war 1853, als ich Rheinsberg zum ersten Male besuchte, noch ziemlich intakt vorhanden. Seitdem haben sich die Dinge sehr zum Schlimmeren verändert. Nicht die Hälfte mehr existiert von diesem Unterzeug, und man kann deutlich sehen, wie die Federmesser, je nach der Charakter-Anlage der Besucher, mal größere mal kleinere Caro’s herausgeschnitten haben. Ich liebe nicht die Castellane, die einen durch ihren Diensteifer um die Möglichkeit eines ruhigen Genusses bringen, aber eben so wenig mag ich jenen das Wort reden, die voll mißverstandener Nachsicht ein Auge da zudrücken, wo sie’s aufmachen sollten. Wir nehmen zögernd Abschied von diesem interessanten Zimmer….

Besucht man das Schloss heute, kann man zwar auch einen Blick auf das Arbeitszimmer werfen, aber Spuren von Friedrich entdeckt man leider kaum noch. Der Beginn seiner Regentschaft machte den Umzug nach Berlin erforderlich, viel mehr als seine Bibliothek nahm er nicht mit. Friedrich schenkte das Schloss seinem jüngeren Bruder Heinrich, der von der „Stiftung preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg“, die heute das Erbe der preußischen Monarchie verwaltet, zur vorherrschenden Persönlichkeit in Rheinsberg gemacht wurde.

Abgesehen von der Statue des jungen Friedrichs vor dem Schloss erinnert wenig an ihn und seine Zeit in Rheinsberg. Die Stiftung erfüllt damit einen Auftrag der allierten Siegermächte des zweiten Weltkriegs: „Erst wenn die Deutschen das Erbe Friedrichs und des letzten Kaisers abgelegt haben, können sie wieder ein vollwertiges Mitglied der Völkergemeinschaft werden.“

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