Erschütterndes Vermächtnis Friedrich Wilhelms IV.

Reiterstatue König Friedrich Wilhelms IV. Hohenzollernbrücke, Köln. © Superbass / CC-BY-SA-3.0 (via Wikimedia Commons)

Friedrich Wilhelm IV. war der preußische König, in dessen Regierungszeit mit der Verfassungsgebung in den Jahren 1848 bis 1850 sich die Wandlung Preußens von der absoluten zu einer konstitutionellen Monarchie vollzog. Kaiser Wilhelm II. enthüllt in seinem 1926 veröffentlichten Buch „Aus meinem Leben 1859-1888“ ein erschütterndes Vermächtnis Friedrich Wilhelms IV. Damit gibt Wilhelm II. einen hochinteressanten Einblick in das Seelenleben des revolutionsgeplagten Monarchen und womöglich auch eine Erklärung für das düstere Ende seiner Regentschaft. Gleichzeitig liefert die folgende Enthüllung Stoff für ausgedehnte Diskussionen der preußischen Geschichte:

Mehrmals kam [im Jahre 1888] der Justizminister Friedberg zum Besuch nach dem Neuen Palais heraus [, um meinen dem Tode geweihten Vater Kaiser Friedrich III. zu sehen]. Er war, ein langjähriger, intimer Freund und Berater meiner Eltern. Er besaß unser aller vollstes Vertrauen, da er eine durch und durch vornehm denkende, edle Natur war. Auf einem Spaziergang, den ich mit ihm auf der Terrasse des Neuen Palais unternahm, machte er mich darauf aufmerksam, daß mir im Falle des Ablebens meines Vaters ein inhaltsschweres Schriftstück vorgelegt werden würde, das ich reiflich überdenken möge. Ich will hier gleich vorweg bemerken, um was es sich handelte.

Es war ein versiegeltes Schreiben König Friedrich Wilhelms IV., auf dessen Umschlag sich das Siegel und der Lesevermerk meines Großvater [Kaiser Wilhelm I.] und meines Vaters [Kaiser Friedrich III.] befanden. In dem Schreiben forderte der König seine Nachfolger auf, die ihm durch die Revolution von 1848 abgezwungene Verfassung außer Kraft zu setzen und die alte Regierungsform [der absoluten Monarchie] wieder herzustellen, da diese die einzige sei, mit der man in Preußen regieren könne.

Als Friedberg mir das Dokument nach meiner Thronbesteigung überreichte, war mir sofort klar: kam dieses Blatt in die Hände eines unerfahrenen Thronfolgers, so konnte es das größte Unheil anrichten. Ich zerriß daher kurzerhand den Brief und verbrannte ihn in meinem Kamin. Auf das Kuvert schrieb ich, mit meinem Siegel und Datum des Tages darunter: „Inhalt gelesen und vernichtet.“ Das Kuvert ging in die Akten zurück.

Quelle: Kaiser Wilhelm II. – Aus meinem Leben 1859-1888, Seite 358.

Gerne darf diese Enthüllung nun in den Kommentaren diskutiert werden.

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