Die gestohlene preußische Staatsbank.

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Die Königliche Seehandlung (Preußische Staatsbank) in Berlin.

Im Staatsrecht der Preußischen Monarchie stößt der geneigte Leser auf allerlei höchst Interessantes, so zum Beispiel auf die „Königliche Seehandlung“. Es handelt sich dabei um ein 1772 gegründetes Unternehmen des preußischen Staates, welches am 14. Oktober 1772 unter dem Namen „Generaldirektion der Seehandlungs-Sozietät“ in Berlin gegründet wurde – auf direkte Veranlassung von Friedrich dem Großen. Der preußische König erwarb 2.100 Aktien, während 300 weitere Aktien an Privatpersonen verkauft wurden.

Die Geschichte dieses Unternehmen ist also lang und durchläuft einige spannende Entwicklungen. So unterstand die Seehandlung ab 1807, also unter napoleonischer Besetzung, dem preußischen Finanzministerium. Nach dem Befreiungskrieg wurde sie dann 1820 ein selbständiges Geld- und Handelsinstitut des Staates mit unbeschränkter Vollmacht, bevor sie dann 1845 wieder dem Finanzministerium unterstellt wurde und sich in der Folge zunehmend aus Handelsgeschäften heraus zog und sich auf die Aufgaben eines staatlichen Geldinstitutes beschränkte. Folgerichtig firmierte dieses Geldinstitut ab 1904 als „Königliche Seehandlung (Preußische Staatsbank)“.

Nach dem gewaltsamen Sturz der Monarchie wurde die Königliche Seehandlung eiligst in „Preußische Staatsbank (Seehandlung)“ umbenannt und blieb bis 1945 im Bankgeschäft tätig.

Die „Königliche Seehandlung (Preußische Staatsbank)“ ist heute eine Stiftung. Die Stiftung selbst ließ bis vor kurzem auf ihrer Netzseite verlauten, daß das Eigenkapital der Seehandlung im Laufe des Jahres 1918 auf 160 Millionen Mark erhört wurde, das entspricht einem Eigenkapital von rund 2,5 Milliarden Euro.

Wo sind die 2,5 Mrd Euro der preuß. Staatsbank geblieben?

Die Seite der Stiftung verrät weiter, daß mit der völkerrechtswidrigen Auflösung des Preußischen Staates durch Beschluss des Alliierten Kontrollrates 1947 auch die Preußische Staatsbank ihre Existenzberechtigung verlor. Auf wikipedia erfuhr man bis vor Kurzem „Infolge der Auflösung Preußens wurde die Staatsbank 1947 eine sogenannte „ruhende Altbank“ und 1983 liquidiert. Ihr verbliebenes Vermögen wurde größtenteils der Landesbank Berlin übergeben, nur ein kleiner Teil bildete den Grundstock der Stiftung Preußische Seehandlung. Aus dem Stiftungsvermögen von 10,7 Millionen Euro stehen 400.000 Euro zu Förderzwecken bereit.“

Über die Geschichte der Staatsbank von 1918-1947 wird sich weitestgehend ausgeschwiegen. Fakt ist: Von 2,7 Milliarden Euro Eigenkapital im Jahre 1918 sind 1983 mickrige 10 Millionen Euro in die Stiftung geflossen. Dem preußischen Staat wurden also 2,7 Milliarden Euro geraubt. Die Geschichte zwischen 1918 und 1947 aufzuklären dürfte eine hochinteressante Angelegenheit sein, aber das vermeintliche Ende der Königlichen Seehandlung liefert Stoff für einen Bestseller-Krimi, denn bitte: Was ist ein ordinärer Bankraub gegen den Raub einer ganzen Staatsbank?

An dieser Stelle gilt dazu festzustellen, daß die Netzseite der Stiftung Seehandlung jüngst Änderungen erfahren haben, die in ihrer neuesten Version obige Fakten verschweigen. Hier werden digitale Spuren des Verbrechens verwischt. An dieser Stelle einen herzlichen Dank an archive.org, dessen großartiger Dienst dazu beiträgt, daß das Internet nichts vergisst!

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